Hilfreiches für Schüler*innen zum Umgang mit Stress (Video)
Was passiert bei Stress im Gehirn? Und welche Möglichkeiten haben wir, positiv Einfluss darauf zu nehmen? Antworten hierauf finden Sie in diesem kurzweiligen Erklär-Video.
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Schulverweigerung: Angst vor dem Schulbesuch – Eine Elterninformation der Schulpsychologie Bonn
Wie äußert sich Schulangst?
Wenn Kinder sich weigern in die Schule zu gehen, kann dies viele Ursachen haben. Manchmal stecken Ängste dahinter. Wie Sie das erkennen können und welche Lösungswege es gibt, erfahren Sie in dieser Information für Eltern und Sorgeberechtigte.
Justus (8) war seit zwei Wochen nicht mehr in der Schule. Vor den Ferien war Justus häufig krank und hat deswegen immer wieder im Unterricht gefehlt. In letzter Zeit klagt er morgens über Bauchschmerzen und Übelkeit. Justus sagt, dass er gerne zur Schule gehen möchte, aber wenn die Übelkeit so stark ist, habe er Angst sich im Klassenraum zu übergeben. Deswegen verkriecht sich Justus morgens in seinem Bett, bis es ihm bessergeht. Dann hat die Schule schon angefangen. Justus ist traurig und nimmt sich vor, es am nächsten Tag zu schaffen…
Mia (14) hat es in letzter Zeit oft nicht in der Schule ausgehalten. Sie kam dann weinend früher nach Hause zurück. Sie berichtet, sich in der Pause auf der Toilette eingeschlossen und das Gefühl gehabt zu haben, einfach nicht zurück in das Klassenzimmer gehen zu können. Jetzt will Mia gar nicht mehr zur Schule gehen. Sie weigert sich, morgens aufzustehen und beginnt laut zu weinen und zu schreien, sobald ihre Eltern sie in die Schule bringen wollen.
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Kinder es nicht mehr schaffen, in die Schule zu gehen. Jedes Kind, jede Familie und jede Situation sind einzigartig. Dennoch finden sich oft Gemeinsamkeiten. Falls Ihr Kind Schwierigkeiten hat in die Schule zu gehen, kommen Ihnen vielleicht manche der folgenden Sätze bekannt vor:
Schulangst verstehen
Häufig wollen Kinder aus Angst nicht in die Schule gehen. Sie haben zum Beispiel Angst zu versagen, nicht gemocht zu werden oder sich ohne die Eltern verloren zu fühlen. Manchmal ist es schwer zu erkennen, warum Kinder oder Jugendliche es nicht mehr schaffen, in die Schule zu gehen. Sie können ihre Ängste nicht benennen oder verstehen selbst nicht, was mit ihnen los ist.
Manche klagen am Abend zuvor oder morgens über starke körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen. Andere Kinder oder Jugendliche zittern, haben vielleicht das Gefühl, keine Kraft für den Tag zu haben, sich nicht konzentrieren zu können oder sogar keine Luft mehr zu bekommen. Dies hat meist keine körperlichen Ursachen: Es handelt sich um körperliche Auswirkungen der Angst.
Geht das Kind dann nicht in die Schule, verschwinden die Angst und ihre Auswirkungen beim Kind sofort und Erleichterung macht sich breit. Da die angstauslösende Situation nun aber nicht „durchlebt“ und bewältigt wurde, erscheint sie am Abend und am nächsten Tag noch bedrohlicher. Ein Teufelskreis aus Angst und Vermeidung entsteht und lässt den Schulbesuch immer schwieriger erscheinen. Die Hürde wächst:
Durch das schulvermeidende Verhalten des Kindes geraten auch die Eltern unter Druck. Häufig fühlen sie eine Mischung aus Verunsicherung, Angst, Ohnmacht und Wut.
Diese Gefühle zeigen sich dann auch im Verhalten der Eltern: Sie schwanken nicht selten zwischen Beschwichtigung, Überreden-Wollen, Mit-Belohnung-Locken, Drohen, Schreien und wenn alles nichts hilft Nachgeben/Resignieren. Diese Gefühle und Reaktionen sind normal und werden von den meisten Eltern so erlebt.
Die große Aufgabe der Eltern besteht nun darin, sich von der Angst nicht anstecken zu lassen. Sie müssen standhaft bleiben, auch wenn das Kind mit allen Mitteln versucht, den Schulbesuch zu vermeiden. Denn nur durch das „Aushalten“ der Angst und das Erleben des Schulbesuchs kann die Angst wieder kleiner werden.
Was kann helfen?
Wenn Ihr Kind Ängste entwickelt hat, in die Schule zu gehen, ist es wichtig, sich diesen schnell zu stellen. Hier geben wir Ihnen ein paar Ideen für das weitere Vorgehen an die Hand, die für die meisten Eltern hilfreich sind. Bitte zögern Sie nicht, sich zusätzlich Unterstützung zu holen. Wie diese aussehen kann und welche Anlaufstelle passend für Sie ist, entscheiden Sie selbst.
1. Ärztliche Abklärung
Wir empfehlen als ersten Schritt, sich an den Kinderarzt/die Kinderärztin zu wenden, um körperliche oder andere akut behandlungsbedürftige Ursachen ausschließen zu können. Ist dies erfolgt, können Sie sicher sein, dass diese Ängste erst besser werden, wenn Ihr Kind wieder regelmäßig die Schule besucht.
2. Die Schule informieren
Nehmen Sie Kontakt zur Schule auf und suchen sie gemeinsam nach Lösungen. Es ist hilfreich, eine feste Ansprechperson zu haben, mit der Sie sich regelmäßig austauschen und feste Absprachen treffen.
Gehen Sie mit der Schule in den Austausch und sammeln Sie Ideen, wie Sie Ihr Kind für den Schulalltag stark machen! Zusammen können Sie viel erreichen. Es ist hilfreich, dabei folgende Fragen zu besprechen:
3. Den Schultag gestalten
Nachdem alle Beteiligten besprochen haben, wann und wie das Kind zur Schule kommen wird, ist es wichtig, sich an diesen Plan zu halten. Hat Ihr Kind Veränderungswünsche, so können Sie ein Gespräch mit der Schule vereinbaren und diese dort klären. Morgens und auf dem Weg zur Schule sollten die getroffenen Absprachen nicht mehr diskutiert werden.
Auch wenn Ihr Kind an Beschwerden wie Bauch-, Kopfschmerzen oder Übelkeit leidet, ist es hilfreich, es zum Schulbesuch zu ermutigen.
Schreiben Sie Ihrem Kind keine Entschuldigung. Im Zweifel lassen Sie die Beschwerden immer ärztlich abklären. Manchmal wünschen sich Kinder mit Schulangst, dass die Eltern während des Unterrichts in der Nähe bleiben. Denken Sie daran, dass dies Ihrem Kind nicht hilft, sondern eher zu einer Verstärkung der Angst führen kann.
Schafft Ihr Kind es nicht, zur Schule zu gehen, weil es sich krank fühlt, sagen Sie alle Termine (bis auf medizinisch/therapeutische) für den Tag ab. Auch wenn die Symptome sich später wieder bessern, gilt das Kind den gesamten Tag als krank. Damit sind keine Aktivitäten oder Verabredungen möglich.
In der Zeit, in der das Kind eigentlich Unterricht hätte, sollte es sich zuhause mit dem Lernstoff beschäftigen. Verhindern Sie alle anderen Aktivitäten und die Nutzung digitaler Medien während der Unterrichtszeit und bis das Kind seine Schulaufgaben erledigt hat.
4. Wo finde ich Unterstützung?
Familie oder Freund*innen können helfen, indem sie Ihnen zuhören oder Ihr Kind zur Schule begleiten.
In der Schule können Sie und Ihr Kind durch Lehrkräfte und die Schulsozialarbeit unterstützt werden.
Familien- und Erziehungsberatungsstellen helfen den Familien, mit der Situation umzugehen und die Belastungen im Familienalltag gut zu meistern.
Die Schulpsychologie berät Familien und Schulen, wie ein Wiedereinstieg in die Schule gut gelingen kann.
Auch der Fachdienst für Familien- und Erziehungshilfe des Jugendamtes kann im Alltag unterstützen oder zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen anbieten.
Vielen Kindern hilft eine zusätzliche therapeutische Unterstützung. Dafür können Sie sich an niedergelassene Kinder- und Jugendtherapeut*innen, Psychiater*innen, Psychiatrische Kliniken oder Psychiatrische Tageskliniken wenden.
Rechenschwierigkeiten/Dyskalkulie
Was bedeutet Dyskalkulie?
Bei Dyskalkulie (auch Rechenstörung, Rechenschwierigkeiten oder Rechenschwäche genannt) liegen von Anbeginn des Rechenerwerbs gravierende und anhaltende Schwierigkeiten im Rechenlernen vor, die durch die übliche Förderung im Fachunterricht oder durch Nachhilfe nicht behoben werden können. Die Gründe für eine Dyskalkulie liegen nicht in Intelligenzeinschränkungen, Motivationsmängeln oder einer inadäquaten Beschulung bzw. Förderung. Vielmehr haben die betroffenen Kinder Fähigkeiten nicht verinnerlicht, die für das Rechenlernen wichtig sind (z. B. die Fähigkeit, Zahlen und Mengen miteinander in Beziehung zu setzen). Dies ist wahrscheinlich erblich bedingt.
Woran erkenne ich eine Dyskalkulie?
Häufig kann man bei Kindern mit einer Dyskalkulie beobachten, dass sie Zahlen und z. B. Plus- und Minusaufgaben vertauschen, noch sehr lange mit den Fingern abzählen und Schwierigkeiten bei Zehnerübergängen haben. Sowohl die betroffenen Kinder als auch ihre Eltern machen häufig frustrierende Erfahrungen im Zusammenhang mit Mathematik, da die gutgemeinte Unterstützung bei den Hausaufgaben und die übliche Nachhilfe die Rechenprobleme kaum oder gar nicht verbessern. Häufig kommt es daher zu Konflikten bei den Hausaufgaben. Viele Kinder werden durch ständige Misserfolge demotiviert und entwickeln ein negatives Bild ihrer Fähigkeiten, Selbstwertprobleme, Leistungsängstlichkeit oder auch ein Verweigerungsverhalten, das sich mit der Zeit auch auf andere Fächer bzw. Schule generell ausweiten kann.
Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
Verschiedene Stellen können betroffene Kinder und ihre Eltern unterstützen. Für eine individuell zugeschnittene Unterstützung des Lernens ist zunächst die Schule vorrangiger Förderort. Sollte eine Dyskalkulie vorliegen, kann die Schule individuelle Lösungen finden, um Nachteile auszugleichen, ist hierzu allerdings nicht verpflichtet. Falls eine spezifische schulische Förderung nicht ausreicht, kann darüber hinaus eine Lerntherapie weiterhelfen. Die Diagnosestellung bei Verdacht auf Dyskalkulie erfolgt in sozialpädiatrischen Zentren, medizinischen Versorgungszentren oder auch kinder- und jugendpsychiatrischen bzw. -psychotherapeutischen Praxen.
Was bieten wir an?
Die Schulpsychologie berät und begleitet betroffene Kinder und ihre Eltern bei der Lösung von Problemen, die im Zusammenhang mit den Rechenschwierigkeiten entstanden sind. Im Rahmen einer schulpsychologischen Beratung informieren wir bei Bedarf z. B. über das Störungsbild und diagnostische Möglichkeiten, beraten bei motivationalen Schwierigkeiten oder Ängsten und überlegen gemeinsam mit allen Beteiligten (Eltern, Kind, Lehrkräften), welche schulischen und außerschulischen Fördermaßnahmen (ggf. therapeutische Unterstützung) hilfreich sein könnten. Zur Ableitung passender Fördermaßnahmen kann auch eine entsprechende Leistungsdiagnostik durchgeführt werden. Die Erstellung von Gutachten oder die Vergabe psychiatrischer Diagnosen gehört nicht zu unseren Aufgaben und ist nicht notwendig für den schulischen Umgang mit Dyskalkulie.
Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten
Was bedeutet LRS?
Die Abkürzung „LRS“ steht für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Für den Umgang mit LRS gibt es in NRW eine rechtliche Grundlage für Schulen, den sogenannten LRS-Erlass (Öffnet in einem neuen Tab). Danach liegt eine LRS vor, wenn Schüler*innen massive und langanhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen der Lese- und Schreibfähigkeiten haben und zusätzliche Unterstützung brauchen.
Für die Feststellung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ist die fachlich-pädagogische Einschätzung der Deutschlehrkraft ausreichend und entscheidend. Nach anschließender Rücksprache mit der Klassenkonferenz und der Schulleitung entscheidet die Schule über die zusätzliche individuelle Förderung sowie die Gestaltung eines Nachteilsausgleichs. Sie als Eltern können einen Nachteilsausgleich formlos bei der Schule beantragen.
Die Bezeichnung „Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten“ ist somit nicht an eine normierte oder klinische Diagnostik gebunden: Das bedeutet, dass eine externe Diagnostik bei niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen oder -psychiater*innen für schulisches Handeln nicht erforderlich ist.
Die Bezeichnung der Lese-Rechtschreib-Störung ist hingegen eine klinische Diagnose und wird erst verwendet, wenn festgelegte Kriterien bei einer standardisierten Diagnostik erfüllt wurden. Hierfür werden normierte Tests zur Überprüfung der Lese- und der Rechtschreibfähigkeiten sowie auch ein Intelligenztest von einer/m Kinder- und Jugendpsychiater*in oder Psychotherapeut*in durchgeführt. Wenn eine schulische Förderung nicht ausreicht, können Eltern im Einzelfall unter bestimmten Voraussetzungen beim Jugendamt (Fachdienst Eingliederungshilfe) die Übernahme der Kosten für eine außerschulische Lerntherapie beantragen und bewilligt bekommen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Woran erkenne ich LRS?
Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind
- nur geringe Fortschritte beim Erlernen des Lesens und Schreibens macht,
- wenn es auch in Klasse 3 und darüber hinaus noch auffällig viele Rechtschreibfehler macht,
- sich die richtige Schreibweise trotz Übung nicht einprägen kann,
- auch in Klasse 3 noch nicht flüssig lesen kann,
sollten Sie mit der Deutsch-Lehrkraft über Ihre Beobachtungen sprechen.
Bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten ist eine differenzierte Einschätzung der Schule durch die (Deutsch-)Lehrkraft nach Rücksprache mit der Klassenkonferenz und der Schulleitung ausreichend und nötig, um das betroffene Kind gut zu unterstützen. In manchen Fällen kann eine schulpsychologische Beratung oder eine klinische Diagnostik zusätzlich sinnvoll sein, z. B. wenn sich Ihre Einschätzung als Eltern von der Einschätzung der Schule unterscheidet, Ihr Kind mit der bisherigen Förderung keine Erfolge erzielt oder die Lehrkraft Beratung wünscht.
Was bedeutet das für Sie als Eltern und Ihr Kind?
Kinder mit Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens sollten entsprechend ihres Kenntnisstandes gefördert werden. Ausgangspunkt ist eine Diagnostik, um einzuschätzen, was die Kinder schon können und in welchem Bereich Förderung nötig ist. Oft gibt es Fehlerschwerpunkte, auf die man sich als erstes konzentrieren sollte. Manchmal sind spezielle Übungen in der Schule ausreichend, manchmal braucht es zusätzliche Aufgaben für zu Hause oder einen anderen Ort, an dem gelernt wird. Bei vielen Kindern ist es das erste Ziel, sie überhaupt zum Lesen und Schreiben zu motivieren, da sie bereits zahlreiche Misserfolge erlebt haben.
Oft ist ein Nachteilsausgleich hilfreich, damit betroffene Kinder wieder zeigen können, was sie unabhängig von den Lese- Rechtschreibschwierigkeiten auch alles schon können. So könnte beispielsweise eine Zeitverlängerung und ein Erlernen von Korrekturstrategien hilfreich sein oder die Absprache, dass Texte vorübergehend nur im Hinblick auf eine bestimmte Rechtsschreibregel korrigiert werden. Bei alledem ist es wichtig, gut mit der Schule zu kooperieren und sich regelmäßig zu Lernfortschritten und zum Lernstand Ihres Kindes auszutauschen.
Was bieten wir an?
Bei all den oben genannten Themen unterstützen wir Sie und die Schule gerne durch folgende Beratungsangebote:
- Durchführen von Förderdiagnostik mit dem Ziel der sich anschließenden Förderberatung
- Empfehlen von passgenauem Fördermaterial, das sich auf die individuellen Fehlerschwerpunkte bezieht sowie Korrektur- und Übungsstrategien
- Förderung der Lese- und Schreibmotivation
- Beratung zur Gestaltung eines individuellen Nachteilsausgleichs
Die Erstellung von Gutachten oder die Vergabe psychiatrischer Diagnosen gehört nicht zu unseren Aufgaben und ist nicht notwendig für den schulischen Umgang mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten.