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Wer Geld hat, hat Macht. Und wer kein Geld hat, wird es schwer haben, je ein Vermögen aufzubauen. Das war schon 1837 im Londoner Stadtteil Soho oder in Brechts Berlin so – und es ist heute nicht anders. Ein Leben ohne den Kapitalismus ist nicht mehr vorstellbar und in einem System, das sich selbst korrumpiert, ist alles zur Ware geworden – die Liebe, die Moral und das Elend. Unternehmer und Polizei sind genauso kriminell und bar jeder Moral wie Verbrecher und Bettler – zwischen Bürgertum und Ganoventum gibt es keinen Unterschied. Das Oben und das Unten der Gesellschaft gehen nahtlos ineinander über. Was sie verbindet, ist das Geld, und ein gutes Geschäft rechtfertigt wohl jegliches unmoralisches Verhalten.
In der Londoner Halbwelt der Dreigroschenoper tobt ein Machtkampf zwischen dem Unternehmer Peachum – auch ‚Bettlerkönig‘ genannt – und dem Gangster Macheath – genannt Mackie Messer. Die Freundschaft zum Polizeichef Tiger-Brown lässt Mackie zwar mit seinen Verbrechen unbehelligt davonkommen, doch als er Peachums Tochter Polly heiratet, brechen sich die Eitelkeiten Bahn. Peachum will Mackie zur Strecke bringen, Mackie flieht und Polly übernimmt seine Geschäfte. Doch Mackie werden seine Liebschaften zu Tiger-Browns Tochter Lucy und zur Spelunken-Jenny zum Verhängnis. Er soll noch vor dem Krönungszug der neuen Königin hingerichtet werden.
Die zerstörerischen Verhältnisse im Kapitalismus machen vor niemandem Halt, denn die Verbrecher geben sich bürgerlich und die Bürger wiederum sind Verbrecher – gemeinsam spinnen sie riesige kriminelle Netzwerke und die Korruption wird zum modus operandi. Es stellt sich die altbekannte Frage: »Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?«
Die Dreigroschenoper ist »so prunkvoll gedacht, wie nur Bettler sie erträumen«, aber doch keine wirkliche Oper. Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill nahmen sich die 1728 uraufgeführte BEGGAR’S OPERA von John Gay zur Vorlage, die bereits eine Parodie auf die Opern von Händel war. Und »weil sie doch so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können«, handelt sie eben nicht von antiken Helden, sondern zeigt ein Milieu aus Verbrechern, Prostituierten und Betrügern.
Kurt Weill steuerte Moritaten, Choräle, und Balladen im Stile des Jazz, Blues und der Tanzmusik bei und parodierte seinerseits das Genre der Oper und Operette. Keine klassischen Opernsängerinnen und -sänger, sondern singende Schauspielerinnen und Schauspieler.